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Aus der Abteilung "Praktische Tipps für den kommunalen Alltag"

Rathaus

Zwölf goldene Regeln zum Umgang mit Bürgermeistern!


 

Er hat es gewiss nicht leicht, der Bürgermeister als solcher:
Bürgernah soll er sein, ohne sich anzubiedern; kompetent den Verwaltungsapparat leiten, ohne autoritär zu wirken; Ideen für die Stadtentwicklung liefern, ohne besserwisserisch zu erscheinen; ein offenes Ohr für die Sorgen von Einzelnen haben, dabei aber das Allgemeinwohl immer im Auge behalten; politisch denken, aber über den Parteien stehen usw. usw. Gewünscht ist eine Kreuzung aus volkstümlichem Bierzeltkönig und kreativem Verwaltungsmanager mit betriebswirtschaftlichem und juristischem Fachverstand.
Bürgerinnen und Bürger, die ihrem Stadtoberhaupt bei seinem schweren Amt helfen wollen, sollten die folgenden einfachen Regeln zum Umgang mit Bürgermeistern konsequent befolgen:

1. Bürgermeister wissen alles
Erkundigen Sie sich beim Bürgermeister persönlich, warum die Genehmigung für Ihr Gartenhaus noch nicht gekommen oder Ihre Anfrage noch nicht beantwortet ist. Gerade in einer größeren Stadt wird es ihn freuen, dass Sie ihm die Kenntnis von jedem Verwaltungsvorgang zutrauen.

2. Bürgermeister sind für alles zuständig
Ist ein Kanaldeckel lose, eine Straßenleuchte defekt oder haben Sie ein Schlagloch gesehen, vermeiden Sie es, den Ortsvorsteher, Ihren Stadtverordneten oder die zuständige Fachkraft im Rathaus anzusprechen. Der Bürgermeister wird sich am liebsten selbst um diese Dinge kümmern. Die Liebe zum Detail zeichnet den guten Rathaus-Chef aus.

3. Bürgermeister sind rund um die Uhr im Einsatz
Rufen Sie Ihren Bürgermeister möglichst am Wochenende oder abends zu Hause an. Oft genug hat er eine kurze Pause zwischen den Terminen und wartet gelangweilt auf Telefonate. Ist er gerade unterwegs, freut sich seine Familie, Ihnen behilflich sein zu können. Bringen Sie Kurzweil in sein Privatleben.

4. Bürgermeister haben immer Zeit
Telefonische Terminvereinbarungen mit dem Vorzimmer des Bürgermeisters sind überflüssiger Luxus. Marschieren sie ins Rathaus und verlangen Sie, Ihren Bürgermeister sofort zu sprechen. Schließlich sorgen Sie nur für etwas Abwechslung in seinem langweiligen und tristen Büroalltag.

5. Bürgermeister lieben Überraschungen
Haben Sie doch über das Vorzimmer einen Termin vereinbart, so geben Sie auf keinen Fall den Zweck Ihres Besuchs genauer an. Ersparen Sie Ihrem Bürgermeister den Aufwand, sich auf das Gespräch vorzubereiten, sich zu erkundigen oder gar vorher in Akten nachzusehen. Spontane Antworten sind die besten.

6. Bürgermeister sind Einzelkämpfer
Lassen Sie sich mit Ihrem Anliegen nicht auf die Dezernats-, Amtsleitungs- oder gar Sachbearbeitungsebene abschieben, nur weil dort diejenigen sitzen, die zuständig sind, Zeit haben und sich mit Ihrem Problem auskennen. Der Bürgermeister sollte alles am besten alleine entscheiden. Delegation ist immer ein Zeichen von Schwäche.

7. Bürgermeister haben ein perfektes Gedächtnis
Haben Sie Ihrem Bürgermeister vor zwei Jahren am Rande einer Veranstaltung bei einem Bier in größerer Runde etwas erzählt, so wird er sich natürlich auch jetzt noch vollständig daran erinnern. Langweilen Sie ihn nicht mit unnötigen Wiederholungen.

8. Bürgermeister hören gerne alles
Wenn Sie ein Anliegen vortragen, sollten Sie nie mit der Tür ins Haus fallen. Sagen Sie auf keinen Fall gleich, weswegen Sie kommen, sondern schildern Sie zunächst Urlaub, Krankheiten, Familienstreitigkeiten usw. Durch geduldiges Zuhören kann Ihr Bürgermeister seine Dialogfähigkeit zeigen.

9. Bürgermeister sind allmächtig
Lassen Sie sich von Ihrem Bürgermeister nicht abspeisen mit Hinweisen auf die Rechtslage, entgegenstehende Ratsbeschlüsse, das Gleichbehandlungsgebot, fehlende Finanzmittel oder die Zuständigkeit anderer Behörden. Das sind alles nur billige Ausflüchte. Wenn er wollte, könnte er selbstverständlich Ihren Wunsch erfüllen. Schließlich ist er der Bürgermeister.

10. Bürgermeister sind Politiker
Bürgermeister sind Politiker, sie entscheiden also nur, wenn sie Druck bekommen oder Angst um die Stimmen der Wählerinnen und Wähler haben. Wird Ihr Wunsch vom Bürgermeister nicht erfüllt, so drohen Sie am besten mit Stimmabgabe für die Konkurrenz bei der nächsten Wahl oder mit der Lokalpresse, Bürgeranträgen, Ihrem Rechtsanwalt und "BILD kämpft für Sie". Das wird dem Bürgermeister einen gehörigen Schrecken einjagen und ihn auf Trab bringen.

11. Bürgermeister sind Beamte
Bürgermeister sind Beamte, sie eignen sich also hervorragend für Beschimpfungen in der Öffentlichkeit. Persönliche Angriffe, Diffamierungen und Unterstellungen in Veranstaltungen und in Leserbriefen oder Presseartikeln erfrischen das Klima, beleben die Diskussion, schulen Ihren Bürgermeister im souveränen Ertragen von unsachlicher Kritik und härten ihn ab für weitere Anlässe.

12. Bürgermeister kennen kein Privatleben
Treffen Sie Ihren Bürgermeister am Samstagmorgen auf dem Parkplatz des Supermarktes, wie er bepackt mit Einkaufstüten versucht, seine zwei quirligen Kinder ins Auto zu bugsieren, so sprechen Sie ihn unbedingt ausführlich auf Ihren noch nicht erledigten Bauantrag an. Ihr Bürgermeister wird für jede Ablenkung dankbar sein.


Anmerkung: In Bergkamen ist natürlich alles ganz anders!

Quelle: Die vorangegangenen Verhaltensregeln für Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit ihrem Bürgermeister beruhen in einigen Punkten auf dem Beitrag von Dr. Rudolf Köppler, Oberbürgermeister a.D., abgedruckt in "Die Niedersächsische Gemeinde" (DNG) 9-10/1997, S. 144.
Die vorliegende Fassung ist von mir.

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